Wie gewonnen, so zerronnen!

Bereits die erste Nacht in meinem neuen Appartement habe ich ja schon mit einiger Skepsis zugebracht. Und jetzt weiß ich auch, wieso. Um es in den Worten meines Vaters auszudrücken: “Die Energie hat einfach nicht gestimmt.” Und um es in meinen Worten zu konkretisieren, die Materie auch nicht. Denn das war das Bild, als ich morgens mein Badezimmer betrat:

Meine nächtliche Reinigungsaktion hat also nicht das gewünschte Ergebnis erzielt. Das hat mich zu der Entscheidung bewogen, meine Sachen unverzüglich zu packen, zumal sich auch noch die ein oder andere Mißlichkeit aufgetan hat. Das war gestern (Mittwoch). Nun stehen meine Sachen sicher in der Wohnung unserer Sekretärin, die während ich hier in Cochabamba bin, für mich Wohnungen sucht und sogar besichtigt. Super nett ist diese Frau.

Hier in Cochabamba ist das schon ein leichtes Kontrastprogramm. Es ist die drittgrößte Stadt Boliviens, nach La Paz und Santa Cruz, mit rund 1,2 Mio. Einwohnern. Es gibt alles – leider auch 9-11 jährige Straßenkinder, die ihren Drogenkonsum mit dem Putzen von Autoscheiben finanzieren.
Das (materielle) Gegenstück dazu bilde im Moment unter anderem ich selber. Ich wohne mega luxeriös in einem 5-Sterne Hotel, diesen Aufenthalt zahlt mein Arbeitgeber, die haben hier besondere Konditionen. Ich bin diese Art von Service gar nicht gewöhnt, möchte am liebsten meine Handtücher behalten und mein Glas beim Frühstück zweimal benutzen dürfen…

Der erste Workshop-Tag war anstrengend und interessant, ich werde sicher eine Menge lernen. Inhaltlich geht es um die Revision und Verbesserung eines neuen Monitoringsystems, übersetzt nennt sich das etwa “Monitoring auf Grundlage Ergebnissen”, im Gegensatz zum Monitoring der laufenden Prozesse – um sich von der bloßen Evaluation von Daten zu lösen. Mir fehlt natürlich auch inhaltlich ein bisschen der Hintergrund, aber spannend ist es allemal und dazu auf Spanisch. Das klappt übrigens schon richtig gut. Jetzt steht um 18.00 Uhr nochmal eine Runde an. Heute Nachmittag war frei, das habe ich genutzt um mir hier mal das GTZ-Büro anzusehen. Bei der Gelegenheit habe ich einige (deutsche) Praktikanten kennengelerent, die werden mir heute Abend mal die ein oder andere Bar zum Gaumen führen. In den kommenden Wochen werde ich dann nochmal nach Cochbamba fliegen um aktives Wissensmanagement zu betreiben und mich hier mal ein bisschen über die Projekte zu informieren. Theoretisch und vor Ort. Ich glaube auf jeden Fall, dass es nicht so schnell langweilig wird!

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Eine Antwort zu „Wie gewonnen, so zerronnen!“

  1. Conny Günther sagt:

    Lieber Moritz,

    hast du schon mal über eine Schriftsteller- oder Journalisten-Karriere nachgedacht? Es ist so herrlich bildreich, deinen Erzählungen zu folgen, dass man sich glatt tagtäglich daran gewöhnen könnte;-) Meine Aufenthalte in Südamerika fühlen sich durch deine Berichte in jedem Fall wieder ganz nah an…

    In Valparaiso habe ich 2006 Silvester gefeiert, in einer riiiesigen öffentlichen Fiesta, die sich rund um die Hügel zog und bei der sich um Mitternacht alle mit Konfetti beworfen haben;-)

    In Buenos Aires musste ich nach meinem Kreditkartenklau mal geschlagene 3 (!) Stunden in der Bank warten, um Geld abzuheben. Als ich dann endlich dran kam, durfte ich allerdings nur einen sooo geringen Gesamtbetrag abheben, dass ich mich nach 3 Tagen gleich wieder anstellen durfte… helau;-)

    In Cochambamba musst du unbedingt nochmal den Hügel mit der Christus-Staue besteigen – da gibts einen super Rundblick! Und hast du in Bolivien eigentlich schon Erdnuss-Suppe probiert? Seeehr empfehlenswert!

    Liebe Grüße aus dem hanseatischen Norden – und schreib bald mal wieder;-),

    Conny

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